Die Entwicklung war in den vergangenen fünf Jahren davon gekennzeichnet, dass die allgemeinen QMS- Normen und Modelle (ISO, EFQM) um spezifische Branchen-Modelle für das Gesundheitssystem erweitert wurden. Als Basis für diese spezifischen Modelle wurden die allgemeinen Normen/Modelle herangezogen und um Details und der der Branche zugerechneten Sprache erweitert. Dies hat den Vorteil, dass nicht „Übersetzungen“ für das Gesundheitssystem notwendig waren (z.B. ISO 9001:2008 und EFQM) und auch nicht speziell ausgebildete QualitätsmanagerInnen Systeme implementieren konnten. Rückwirkend ist allerdings auch festzustellen, dass die Entwicklungen bezüglich dem Qualitätsmanagementsystemverständnis, das in anderen Branchen seit Jahren gängig ist, jetzt teilweise nachgeholt wird (Qualitätsmanagementausbildungen z.B. im Bereich KTQ Visitoren). Es ist daher aus der Sicht der Organisation nicht die Frage zu stellen, welche Norm oder welches Modell ist die oder das Beste sondern „Was wollen wir für unser Haus“ bzw. „Was ist das Ziel?“

Modelle im Krankenhaus

ISO 9001:2008 für alle Organisationsformen (Krankenhaus, Praxen,..)

Ist eine weltweite Norm –für alle Branchen, Größen und Strukturen (1,2 Millionen zertifizierte Unternehmen); sie stellt Anforderungen an ein prozessorientiertes Qualitätsmanagementsystem in seiner Gesamtheit mit dem Prozessmodell ISO 9001:2008. Die Zertifizierung wird durch vom Wirtschaftsministerium akkreditierte Stellen durchgeführt. Das Zertifikat ist für 3 Jahre gültig bei jährlichen Audits durch speziell geschulte ExpertInnen (nach ISO 19011:2002). Eine Überprüfung und Selbstevaluierung findet durch jährliche interne Audits statt.

KTQ (Kooperation-Transparenz-Qualität)
Ist vor allem in Deutschland seit 1.4.2004 in Anwendung (600 Krankenhäuser zertifiziert). Es findet eine Selbst- und Fremdbewertung (Visitation) statt. Das verliehene KTQ-Zertifikat ist für 3 Jahre gültig und muss danach erneuert werden, da das KTQ-Verfahren das Qualitätsmanagement kontinuierlich weiterentwickelt. Es ist jährlich der Qualitätsbericht zu veröffentlichen. Die Zertifizierung wird durch KTQ GmbH zugelassene Zertifizierungsstellen durchgeführt (Quality Austria in Österreich).

EFQM (European Foundation for Quality Management)
Die Grundlage der Bewertung bildet das EFQM-Modell für Excellence. Bewertung und Punktevergabe erfolgen anhand eines genau definierten Procederes. Dabei sind maximal 1000 Punkte erreichbar. Die neun Kriterien des Bewertungsmodells bilden gleichzeitig das Inhaltsverzeichnis der Bewertungsunterlage, die der Bewerber selbst erstellt und die zur Bewertung durch die Assessoren vorgelegt wird und nach einem „Fremdassessment“ zu einer Teilnahme am Austrian Quality Award (Staatpreis für Unternehmensqualität) führen kann (AFQM in Österreich).

JOINT COMMISSION INTERNATIONAL (JCI)
JCAHO (Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations) ist eine unabhängige, nicht-gewinnorientierte und nicht-staatliche Organisation mit Sitz der Zentrale in den USA und hat dort über 20.000 verschiedene Einrichtungen des Gesundheitswesens zertifiziert. Einige Einrichtungen sind auch in Europa und Österreich zertifiziert.

Austria Gütezeichen Gesundheits­tourismus – Best Health Austria
Eine Zertifizierung für Gesundheitshotels, Thermen-, Kur-, Rehabilitation-Kliniken (Krankenanstalten). Das Gütezeichen ist 3 Jahre gültig mit jährlichen Begutachtungen nach der Gütezeichenrichtlinie durch die ÖQA (österr. Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität), akkreditiert vom Wirtschaftsministerium.

Modelle im niedergelassenen ärztlichen Bereich
ISO 9001:2008, KTQ, QEP,EPQ,KPQM, EFQM


KTQ ist vor allem in Deutschland seit 1.4.2004 (29 Praxen zertifiziert). Die KTQ zertifiziert neben Krankenhäusern auch andere Bereiche des Gesundheitswesens und hat Standards für Rehabilitation, Praxen (Niedergelassenen Bereich) und Pflegeeinrichtungen entwickelt.

QEP (Qualität und Entwicklung in der Praxis) ist vor allem in deutschen Praxen aller Größen und Fachgruppen (100 Praxen zertifiziert). Bei der Entwicklung von QEP wurden anderweitige Modelle berücksichtigt wie die ISO 9001:2000, JCI, EFQM, KTQ, Standards for General Practices, Balanced Scorecard und Visitation. Es ist ein Befähigungs-Bewertungsmodell mit einer Selbstbewertung und Zertifizierung. Diese wird durch von der kassenärztlichen Bundesvereinigung bestimmte akkreditierte Zertifizierungs-Organisationen durchgeführt. Das Zertifikat ist 3 Jahre gültig.

EPA
(Europäisches Praxis Assessment) ist eine auf europäischer Ebene validierte Methode (2005) mit vier spezifischen Systemen für HausärztInnen, KinderärztInnen, sonstige FachärztInnen sowie ZahnärztInnen (770 Zertifikate). Es ist ein Bewertungsmodell und kontinuierlicher Entwicklungsprozess und setzt die Erfüllung acht sicherheitsrelevanter Kriterien mit Mindestzielerreichungsgrad 50% voraus. Es wird eine Ist- Analyse mit edukatorischen Ansätzen und Benchmarking durchgeführt. Durch eine unabhängige Stiftung Praxissiegel e.V mittels durchgeführter Visitationen wird das Zertifikat (für 3 Jahre gültig) erreicht.

KPQM
(Praxisqualitätsmanagement der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe) – dieses Modell ist für Vertragspraxen, Qualitätszirkel, Netze, Gemeinschaften und vorwiegend in Westfalen-Lippe, Saarland, Hessen (280 Zertifikate) angewendet. Es ist ein Befähigungsmodell – modular aufgebaut mit Integration bestehender Qualitätselemente. KPQM 2006 ist ein prozessorientiertes Qualitätsmanagement, das durch Zertifizierungsorganisationen, die für QMS Zertifizierungen akkreditiert sind, zertifiziert wird. Die Gültigkeit ist max. 3 Jahre.

Österreichisches Gütezeichen für Arztpraxen. Von der ÖQA (österr. Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität), akkreditiert vom Wirtschaftsministerium. Verliehen nach einer Begutachtung entsprechend der Gütezeichenrichtlinien. Gültig 2 Jahre.

Daneben gibt es eine große Anzahl von Modellen/Verfahren für den Pflegebereich:

  • Österr. Gütezeichen für den stationäre Pflege, Hauskrankenpflege,
  • KTQ, EQUALIN, RAI, SIESTA,.....u.v.a.

Dr. med. univ. Günther Schreiber

Dr. med. univ. Günther Schreiber

Arzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapeut
Seit 1994 Auditor der ÖQS im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich und seit 1995 Trainer und Referent im Bereich soziale Kompetenz, Qualitäts- und Prozessmanagement, Audit, Change Management, Strategie Trainer des Auditoren- und QM-Lehrganges für die ÖVQ in Wien, Taiwan, Ägypten, Uruguay
Seit 2001 Referent Donau Universität Krems im QM Lehrgang / Gesundheitswesen
Seit 2003 Selbstständiger Unternehmensberater
Seit 2004 Trainer und Autor des Best Health Austria Advancer und Expert Lehrganges und des Corporate Social Responsibility Manager Lehrganges der QA
Seit 2006 Akkreditierter Wirtschaftstrainer, Branchenmanager Gesundheitswesen der Quality Austria
Seit 2008 Lektor der Universität Wien

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