Neue Studie zur Qualitätssicherung in der Physiotherapie
Ziel der Studie war die Evaluierung der aktuellen Situation der Qualitätssicherung in der Physiotherapie in Österreich bezogen auf die freiberufliche Berufsausübung. Neben der Erhebung des Status quo wurden aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen abgeleitet, um die PhysiotherapeutInnen in der Integration und Umsetzung qualitätssichernder Maßnahmen unterstützen zu können.
Folgende Kriterien der Qualitätssicherung in der freiberuflichen Berufsausübung von PhysiotherapeutInnen wurden definiert:
1. Interdisziplinäre Zusammenarbeit
2. Praxisräumlichkeiten und Ausstattung
3. Physiotherapeutischer Prozess
4. Dokumentation
5. PatientInnenkommunikation und Geschäftsgebarung
6. Weiterbildungen
Diese Kriterien wurden im Rahmen einer Online-Umfrage in der Praxis überprüft. Aus den Ergebnissen wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Die Umfrage – Ergebnisse und Handlungsempfehlungen
Mitte Jänner 2008 wurde per E-Mail ein Link zur Umfrage an 3.916 Mitglieder von Physio Austria versandt. Der Fragebogen umfasste 48 Fragen zu den oben dargestellten Qualitätskriterien und zu demographischen Daten sowie allgemeine Fragestellungen zum Thema Qualität und Qualitätssicherung. 966 KollegInnen (Rücklaufquote: 24,67 %) nahmen an der Befragung teil. Für die Auswertung konnten, nach Entfernung fehlerhafter Datensätze wie auch der Antworten von ausschließlich angestellt tätigen PhysiotherapeutInnen, 704 Datensätze herangezogen werden.
Das Durchschnittsalter der Stichprobe beträgt 37,8 Jahre. 80,5% der ProbandInnen sind weiblich, 19,5 % männlich, was mit einer Abweichung von 0,5% der geschlechterspezifischen Verteilung der bei Physio Austria freiberuflich gemeldeten Mitglieder entspricht.
Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die strukturellen Rahmenbedingungen in hohem Maße erfüllt werden, jedoch v.a. im Bereich der Prozess- und Ergebnisqualität noch Entwicklungspotential vorhanden ist. Zu den Qualitätskriterien, deren Erfüllung noch verbessert werden soll, zählen u.a. die interdisziplinäre Zusammenarbeit, Aspekte der Dokumentation sowie der PatientInnenkommunikation und Geschäftsgebarung. Hinsichtlich verschiedener Indikatoren der Praxisausstattung als auch der interdisziplinären Zusammenarbeit und Kommunikation weisen interdisziplinäre Gemeinschaftspraxen einen höheren Erfüllungsgrad auf.
70,5 % der UmfrageteilnehmerInnen (496 Personen) haben angegeben, dass sie an weiteren Informationen zum Thema interessiert sind. Das größte Interesse liegt dabei bei Fachartikel/Fachzeitschriften (73,8%) und Informationen im Internet (69,2%). Nicht zuletzt deshalb lautet das Schwerpunktthema dieser Ausgabe des inform„Qualität in der Physiotherapie“. Weitere Beiträge sollen in den nächsten Ausgaben folgen. Ebenfalls ausgebaut werden soll die Information auf der Webseite von Physio Austria.
Physio Austria setzt sich zudem aktuell mit der Umsetzung folgender Handlungsempfehlungen auseinander:
- Entwickeln einer Informationsstrategie zur Bekanntmachung der Ethischen Richtlinien und Kernstandards der Physiotherapie
- Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit
- Förderung von Maßnahmen zur Evaluierung und Erfolgskontrolle als wesentliche Bestandteile des physiotherapeutischen Prozesses
Um PhysiotherapeutInnen bei der Implementierung von Maßnahmen der Qualitätssicherung in deren Berufsalltag zu unterstützen, ist ferner ein Handbuch zum Thema Qualitätssicherung in der Physiotherapie sowie ein Selbstevaluierungsbogen für freiberuflich tätige PhysiotherapeutInnen geplant.
Die rege Teilnahme an der Umfrage zeigt ein großes Interesse der Berufsangehörigen am Thema. Die Rückmeldungen waren dennoch ambivalent und reichten von Gratulationen über Dank für die Anregung zur Selbstevaluation bis hin zu Bedenken der Bürokratisierung des Berufes und des fehlenden Praxisbezugs. Dies macht den unterschiedlichen Zugang zum Thema Qualitätssicherung deutlich.
Daher ist es erforderlich, PhysiotherapeutInnen ein breites Spektrum an verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten anzubieten und ein breites Verständnis dafür zu schaffen, dass Qualitätssicherung viele Maßnahmen umfasst, welche untrennbar mit der Berufsausübung in Verbindung stehen, jedoch möglicherweise nicht als Maßnahmen der Qualitätssicherung wahrgenommen werden.
Qualitätssicherung kann nicht aufgezwungen werden, sondern muss von den Berufsangehörigen selbst, aus deren beruflichem Selbstverständnis heraus, umgesetzt werden um langfristig Wirkung zu zeigen. Dies bestätigt auch Donabedian (2003, S. 30): „[…] the more important and meaningful activities are those that the providers of care establish and carry out themselves as part of their own responsibility to provide good care.“
Letztlich stärkt die Förderung der Qualitätssicherung in der Physiotherapie nicht nur die Berufsgruppe selbst, sondern dient vor allem den KonsumentInnen, sprich: PatientInnen und KlientInnen.
Mag. Nicole Muzar PT
Mag. Nicole Muzar, PT
Studienautorin Mag. Nicole Muzar, Physiotherapeutin und Gesundheitswissenschafterin 1995 – 1998 Ausbildung zur Physiotherapeutin am Kaiser Franz-Josef Spital, Wien 2006 – 2008 Studium der Gesundheitswissenschaften an der UMIT, Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Hall in Tirol Seit April 2001 Leitung des Ressort Berufspolitik bei Physio Austria und seit 2007 auch Qualitätsbeauftragte des Verbandsbüros von Physio Austria. |

