„Zahlen und Finanzen waren immer schon meines“, sagt der niederösterreichische Physiotherapeut, Gerhard Eder. Seit nunmehr neun Jahren frönt er dieser Leidenschaft als Finanzreferent von Physio Austria. (im Bild mit Ehefrau Angelika)

Wenn Gerhard Eder Bilanz zieht, erzählen die Zahlen Geschichten: Zwei Jahre nachdem Gerhard Eder mit seiner Frau Angelika, ebenfalls Physiotherapeutin, in Bad Erlach im südlichen Niederösterreich eine eigene Praxis eröffnete, feierte er 1999 seinen 30. Geburtstag. „Ein gutes Alter, um etwas Neues zu beginnen“, fand Eder und wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des NÖ Landesverbandes gewählt. Es dauerte nur wenige Wochen, wurde er auch schon Finanzreferent im Bundesverband.

Das Verbandsbudget betrug 1999 rund 572.000 Euro, zwei Physiotherapeuten amtierten als Rechnungsprüfer. Zehn Jahre später beträgt das Budget 1.510.000 Euro, kontrolliert ein Wirtschaftsprüfer die Finanzgebarung, ist die Mitgliederzahl deutlich angewachsen.

Die Zahlen sagen: Physio Austria ist vom Verein zur Organisation geworden. „Die Qualität der Arbeit im Verband ist deutlich besser geworden“, analysiert Eder, Physio Austria steht heute für Physiotherapie in Österreich und ist de facto „ein kleines Unternehmen geworden“. Die Professionalisierung hat auch vor der Verbandskassa nicht Halt gemacht. Jeder Euro, der Physio Austria verlässt, braucht zumindest zwei Unterschriften.

Unverändert geblieben ist allerdings, dass der Finanzreferent, wie die anderen fünf Präsidiumsmitglieder auch, ehrenamtlich tätig ist und letztlich mit seinem privaten Vermögen dafür haftet. In Summe sind es rund acht Arbeitswochen pro Jahr, die Eder ins Finanzwesen von Physio Austria investiert.

Der Vater von drei Kindern sieht seine Rolle im Präsidium pragmatisch: „Wenn man sich als Finanzreferent beliebt macht, macht man was falsch“.- Ganz so unbeliebt scheint der einzige Mann im sechsköpfigen Präsidium von Physio Austria trotz strenger Geschäftsgebarung nicht zu sein. Sonst wäre er dort nicht schon ein knappes Jahrzehnt.

Als ebenfalls ausschließlich nur freiberuflich tätiger Physiotherapeut im Präsidium bereichert er wesentlich den Mix im „strategischen Organ“ der Berufsvertretung, „Hier wird entschieden, wohin das Schiff ‚Physiotherapie’ fährt, erklärt der begeisterte Segler Eder. Die Route sei klar, auch wenn da und dort ein paar Klippen umschifft werden müssen: ­Verpflichtende Registrierung durch die eigene Interessenvertretung, Verfolgung von Berufsübergriffen, Ausbau des Mitglieder-Service, Erweiterung der Master-Ausbildungen, Information der Bevölkerung über Physiotherapie, Education Congress 2012 in Wien. – Zumindest bis dahin will Eder noch der Schatzmeister am Schiff sein.

Seekrank ist der Besitzer des Segel- und Motorbootscheines erst einmal geworden – und das „privat“. Bei einer Segelfahrt im Urlaub durch die Ägäis von Samos nach Athen, hat es ihn ordentlich hergebeutelt: Während selbst die Fährschiffe im Hafen bleiben mussten, trotzte Eder mit seiner Crew dem Sturm und meterhohen Wellen. – Heuer will Eder durch ruhigere Gewässer im Mittelmeer segeln.

Im heimatlichen Hafen Bad Erlach verwirklicht Eder sein Credo vom Physiotherapeuten als Dienstleister. In der Praxis, die er gemeinsam mit seiner Frau betreibt, ist „immer nur ein Patient“. Volle Wartezimmer vermitteln Massenabfertigung. „Bei mir soll jeder Patient das Gefühl haben, im Mittelpunkt zu stehen und dass wir jetzt nur für ihn da sind.“

Das bedeutet auch, dass Eder mitunter Patienten zu einem/r KollegIn weiter schickt, wenn diese/r für den betreffenden Patienten kompetenter ist. So behandelt er zum Beispiel keine Kinder. „Die Patienten schätzen das. Ich habe deswegen noch keinen einzigen Patienten verloren“. – „Meine Vision ist, dass wir PhysiotherapeutInnen mehr kooperieren“.

Apropos Zusammenarbeit: „Könnten Sie meinen Dank und meine Wertschätzung und Anerkennung für meine Frau in dem Bericht unterbringen“, sagt Eder zum Abschluss des Interviews, ohne sie könnte ich mir den Spaß nicht leisten“.

Otto Havelka

Steckbrief Gerhard Eder

Lieblingsbuch: meistens das, das ich gerade lese
Lieblingsmusik: von Klassik bis hin zu moderner Musik
Lieblingsmaler: Kumpf
Lieblingssatz: Woher der Wind auch weht, es ist ganz und gar gut so für mich
Lieblingsort /-gegend: Küsten
Lieblingstier: Hund
Lieblingspflanze: die Vielfalt ist schön
Lieblingsspeise: mediterrane Küche
Lieblingssport: Segeln (leider viel zu selten)
Lieblingsbeschäftigung: Familie, Lesen, Reisen
Meine größte Stärke: Selten bringt mich etwas aus der Ruhe
Meine größte Schwäche: Selten bringt mich etwas aus der Ruhe
Mein größter Erfolg: meine drei gesunden Kinder
Meine schwerste Niederlage: ich hoffe, die bleibt mir erspart
Worüber ich am meisten lachen kann: Wortwitz
Was mich ärgert: Intoleranz, Unwahrheit, Halbwahrheiten
Geld bedeutet für mich: Mittel zum Zweck
Mit 1 Million Euro würde ich: genau das tun, was im Moment wichtig und zielführend ist

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