Historischer Rückblick und zukünftige Entwicklungen

Handchirurgie befasst sich mit allen Störungen, welche die Funktion der Hand betreffen. Sie beinhaltet die konservative und operative Behandlung von Erkrankungen, Unfallfolgen und Fehlbildungen der oberen Extremität und umfasst alle Strukturen der oberen Extremität, namentlich die osteoartikulären, muskulotendinösen, neuralen und vaskulären Strukturen, sowie die Haut und deren Anhangsgebilde. Die Handchirurgie war ursprünglich und ist es zum großen Teil auch heute noch die Chirurgie der Verletzungen der Hand.

Die Behandlungsprinzipien entsprechen denjenigen der allgemeinen Chirurgie, der Unfallchirurgie, der orthopädischen und der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie sowie der physikalischen Medizin und Rehabilitation. Die Mikrochirurgie ist integrierender Bestandteil der Handchirurgie. Die unmittelbare Nähe der anatomischen Strukturen bei der komplexen funktionellen Anatomie der Hand bedingen spezifische diagnostische, therapeutische und rehabilitative Fähigkeiten.

Handchirurgie in Österreich

Aus dem Mittelalter (1448) stammt das ­älteste deutschsprachige Werk von ­Johannes Hartlieb aus Wien. Er veröffentlichte das „Buch von der Hand“. Es befasst sich vor allem mit der Chiromantie (der Kunst des Handlesens). Der Grazer Chirurg Nicoladoni beschrieb 1880 eine Sehnennaht mit Entlastung der Nahtstelle mit ­einer goldenen Akupunkturnadel. ­Nicoladoni versuchte 1882, ebenso wie sein Grazer Kollege Hacker 28 Jahre später, Sehnentransplantationen durchzuführen.

Die Bedeutung die Lorenz Böhler, der Begründer der selbständigen Unfall­chirurgie in Österreich, der Versorgung von Handverletzungen beimaß, ist aus der Tatsache zu ersehen, dass in seinem Buch „Die Technik der Knochenbruchbehandlung“ schon 1929 vierundfünfzig Seiten der Versorgung der Handverletzungen gewidmet waren. In der letzten Auflage, Jahre später, waren es über 300 Seiten, die sich mit diesem Thema befassten.

Im Jahr 1938 erschien von seinem Schüler Krömer aus dem Wiener Unfallkrankenhaus das Buch „Die verletzte Hand“ und 1956 von Ender, Krotschek und Weidner das Buch „Die Chirurgie der Handver­letzungen“.

Professor Jörg Böhler, Sohn von Lorenz Böhler, leitete bereits 1958 den ersten österreichischen Handkurs in Linz. Nach seiner Übersiedlung nach Wien wurden über 100 Kurse „Wiener Handkurse“ unter seiner Leitung abgehalten. Nach seinem Tod werden diese Kurse von seinen Schülern Hintringer und Leixnering in großem Maß weitergeführt. Böhler’s Einfluss auf die Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Handchirurgie in Österreich, aber auch im gesamten deutschen Sprachraum ist und bleibt unübertroffen. 1990 wurde die Europäische Gesellschaft für Handchirurgie gegründet. In Folge findet die konstituierende Sitzung der Öster­reichischen Gesellschaft für Handchirurgie unter Professor Hanno Millesi statt. Unter den folgenden Präsidenten Dozent Sigurd Pechlaner, Professor Günther Meissl, und der derzeitigen Präsidentin Professor Hildegunde Piza-Katzer, wurde die Österreichische Gesellschaft für Handchirurgie zu einer europaweit anerkannten wissenschaftlichen Gesellschaft ­geführt. Die Gesellschaft umfasst derzeit mehr als 220 Mitglieder.

Ziele der ÖGH

Die Handchirurgie hat sich in den letzten Jahren auch weltweit zu einem eigenständigen Spezialfach innerhalb der chirurgischen Fächer entwickelt. Durch die Weiterentwicklung der Handchirurgie haben sich differenzierte und hoch spezialisierte Behandlungsmethoden entwickelt. Diese gehen bereits weit über die normale Routineversorgung hinaus. In 13 von 20 der Europäischen Föderation für Handchirurgie (FESSH) zugehörigen Ländern besteht bereits eine öffentlich anerkannte Spezialisierung in Form eines Diploms, ­einer Zusatzbezeichnung oder eines eigenen Facharzttitels für Handchirurgie.

Die Österreichische Gesellschaft für Handchirurgie bezweckt daher die wissenschaftliche und praktische Förderung der Handchirurgie. Sie vertritt die Handchirurgie in wirtschaftlichen und öffentlichen Belangen nicht nur in Österreich, sondern auch in internationalen Institutionen. Sie ist Mitglied in der Europäischen Gesellschaft für Handchirurgie (FESSH) und im Internationalen Verband für Handchirurgie (IFSSH).

Die ÖGH hat sich zum Ziel gesetzt, auch in Österreich eine öffentliche Anerkennung des Spezialgebietes Handchirurgie zu erreichen. Nach jahrelangen Verhandlungen mit der Ärztekammer konnte nun gemeinsam mit den Fachgruppen Unfallchirurgie, Plastische Chirurgie und Chirurgie ein Finalisierungspapier mit Speziali­sierungs­richtlinien samt Rasterzeugnis ausgearbeitet und an die Ärztekammer zur Beschlussfassung im Bildungsausschuss und Ärztekammer-Vorstand übermittelt werden.

Zusammenarbeit ÖGH mit TherapeutInnen

Um den europäischen Gedankengang einer Zusammenarbeit von Handchirurgen mit Ergo- und PhysiotherapeutInnen weiterzuverfolgen, haben 2008 erstmals Gespräche zwischen dem Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Handchirurgie und an der Handrehabilitation interessierten TherapeutInnen stattgefunden. Es wurde die Abhaltung der 1. Gemein­samen ÖGH Frühjahrsklausur­tagung der ÖGH mit Ergo- und Physio­therapeutInnen beschlossen.

OA Dr. M. Leixnering, Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler der AUVA

 Wiener Handkurse

„Kostenlose Videos für Physio­therapeutInnen: Auf der Website www.wienerhandkurse.at gibt es einen kostenlosen Zugang zu zahlreichen Filmen wie „Anatomie der Beugesehnen“, „Biomechanik des Handgelenks“, „Biomechanik des distalen Radioulnargelenks“, usw.“

Um Zugang zu diesen Videos zu erhalten, muss man sich mit gültiger E-Mail-Adresse registrieren und ein Passwort wählen. Anschließend wird das Login per Mail zugesendet.

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