MTD-Berufe optimieren Behandlungsqualität
Im September 2007 wurde auf Basis der Gesundheitsreform von 2005 das „Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen“ (BIQG) gegründet (siehe Kasten). Hinter der „Amt“-verdächtigen Bezeichnung steckt ein gar nicht so amtliches Projekt, das in Österreich neue Wege beschreitet.
Um gleich vorweg ein Missverständnis zu vermeiden: Die Aufgabe des BIQG in diesem Bereich ist nicht, festzulegen, wie ÄrztInnen oder PhysiotherapeutInnen ihre PatientInnen anfassen, sondern Behandlungsabläufe zu optimieren – insbesondere dort, wo es um das Zusammenspiel verschiedener Gesundheitsberufe geht.
Festgeschrieben werden diese optimierten Prozesse in Leit- oder (selten) in Richtlinien, wobei nur die Nichteinhaltung von Richtlinien laut Gesetz sanktioniert werden kann. Derzeit werden zum Beispiel Demenz, Parkinson, Diabetes Typ 2, COPD und Schnittstellenmanagement entwickelt. Ob es sich dabei letztendlich um Leit- oder Richtlinien handelt, liegt in der Entscheidungsgewalt des Ministeriums.
Ziemlich einmalig für Österreich ist, wie die Leitlinien entwickelt werden. Alle involvierten Gruppen – von MedizinerInnen, MTD-Berufen und Pflege bis zu Bundesländern und Sozialversicherungen nominieren eine/n VertreterIn für die jeweilige Arbeitsgruppe. „Das Gesprächsklima ist ausgezeichnet“, versichert MTD-Austria-Präsidentin Mag. Gabriele Jaksch, die sowohl beim Schnittstellenmanagement wie bei der Entwicklung einer Meta-Leitlinie (die festlegen soll, welche Kriterien eine Leitlinie erfüllen muss) mitwirkt. „Da gibt es keine Animositäten. Jeder respektiert den anderen als gleichwertigen Partner“, so Jaksch. Wissenschaftliche Literatur ist gleichgestellt mit der Erfahrung von ExpertInnen.
„Wichtig ist“, so die MTD-Austria-Präsidentin, „dass die MTD-Berufe dabei sind.“ So geht es etwa um die Fragen wie PatientInnen betreut werden, wann Krankenhausaufenthalte angesagt sind, wie Krankheitsverläufe aussehen, ob und wo es spezialisierte Kompetenzzentren gibt, was PatientInnen nach einem Krankenhausaufenthalt brauchen, wo Betreuungsprobleme entstehen können, usw.
Das Prozedere ist mitunter freilich langwierig. Denn jede/r VertreterIn in einer Arbeitsgruppe muss sich wiederum mit seiner/ihrer Berufsgruppe abstimmen. So wird etwa von jeder MTD-Berufsgruppe ein/e AnsprechpartnerIn bestimmt, der/die quasi als Schaltstelle zwischen MTD-VertreterIn und eigener Berufsgruppe fungiert.
2010, glaubt die designierte Leiterin des BIQG, Eva-Maria Baumer, soll der erste Schwung an Leitlinien fertig sein.
Otto Havelka
