Ist „Sklavin“ ein Beruf?
Die Idee ist nicht neu: Erfahrene Frauen, die schon eine oder mehrere Geburten hinter sich haben, stehen jungen Frauen, vornehmlich bei ihrer Erstgeburt, mit Rat und Tat zur Seite. De facto wird das rund um den Globus seit Jahrtausenden praktiziert. Großmütter, Tanten, Freundinnen und nicht zuletzt viele Väter in spe kümmern sich um das Wohlergehen der werdenden Mütter – vom liebevollen „Einfach da sein“ bis zu kleinen und großen Handgriffen im täglichen Leben.
Neu ist, dass das Mitgefühl etwas kostet: Laut Angaben der Zeitung „Zeit“ kostet eine Doula in der Regel 400,– bis 500,– Euro. Allerdings: Als wer oder was stellen Doulas eine Rechnung? – „Sklavin“ (griech. Doula, siehe Kasten) ist kein anerkannter Beruf, und viele Doulas haben „nicht einmal einen Gewerbeschein“, weiß die Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, Renate Großbichler-Ulrich.
Schwierig ist auch, eine Definition zu finden, was Doulas eigentlich machen. Im berufsrechtlichen Vakuum versuchen sie sich als erfahrene Vertrauenspersonen darzustellen, die bei der Geburt ganz für die werdende Mutter da sind. Kompetenzen haben sie dabei keine. Und sie beanspruchen daher auch keinen „Expertenstatus“. Den überlassen sie den etablierten Gesundheitsberufen wie GynäkologInnen, Hebammen, PhysiotherapeutInnen, etc. Die hätten allerdings ohnedies alle Hände voll zu tun und könnten sich daher nicht so intensiv um die werdende Mutter kümmern.
Für Hebammen-Präsidentin Großbichler-Ulrich ist eine derartige Argumentation ein „unglaublicher Unfug“. „Wir sind voll und ganz für Mutter und Kind da, und wir sind für beide verantwortlich. Das ist auch im Gesetz so festgeschrieben.“ Genau deshalb könnte im Extremfall eine Doula zum Verhängnis auch für die Hebamme werden. Auch wenn Ratschläge und Zuspruch der Doula während der Geburt noch so gut gemeint sind – wenn es zu Missverständnissen und Schwierigkeiten kommt, ist die Hebamme verantwortlich.
Für Großbichler-Ulrich gibt es daher auch keine Kompromisse: „Wir treffen die Entscheidungen, und wir brauchen dabei keine Vermittlungen zur Mutter durch Dritte“.
Auch bei Geburtsvorbereitung und -nachbetreuung sieht die Hebammen-Präsidentin keinen Bedarf an Doulas. Es gibt ein gut funktionierendes Netzwerk, das eine optimale Betreuung werdender Mütter ermöglicht. Eine wesentliche Säule bilden darin für Großbichler-Ulrich die PhysiotherapeutInnen: In der Geburtsvorbereitung, Bewegungsprogrammen, Übungen zur Atemtechnik, usw. (siehe auch Bericht Seite 8), „und vor allem auch in der Nachbetreuung durch ein gezieltes Beckenbodentraining“.
Nachholbedarf ortet Großbichler-Ulrich allerdings noch in der Kommunikation dieses Angebots. Die Betreuungsmöglichkeiten würden von vielen gar nicht wahrgenommen. So können etwa Hebammen bis zur achten Woche nach der Geburt auf Krankenkassenkosten beigezogen werden. „Aber das steht leider nicht im Mutter-Kind-Pass“.
Otto Havelka
