In ihrer täglichen Arbeit wird die oberösterreichische Physiotherapeutin, Dagmar Mayrhofer, oft mit InkontinenzpatientInnen konfrontiert, die bereits einen sehr langen Weg hinter sich haben, sehr viel probiert haben, jedoch die Lebensqualität nach wie vor nicht zufriedenstellend ist.

Sehr oft stellt sich in der Anamnese von Patientinnen dar, dass eine oder mehrere Geburten vorangegangen sind, ohne entsprechende adäquate Rückbildung erfahren bzw. gemacht zu haben.
Denn während der Schwangerschaft wird der gerade Bauchmuskel um bis zu 20 cm länger und die beiden Bäuche des Rectus werden auseinandergedrängt, um dem Baby Platz zu schaffen. Deshalb ist es ein großes Anliegen, den M. rectus abdominus zu überprüfen, sowohl bei InkontinenzpatientInnen, als auch bei Wirbel­säulen­patientInnen.

Die meisten der PatientInnen finden es anfangs sogar eigenartig, dass Mayrhofer zuerst den Bauch begutachtet, testet und befundet, da sie ja eigentlich eine Beckenbodenproblematik aufweisen.

Für den Test müssen sich die PatientInnen in die Rückenlage begeben, der/die TherapeutIn legt seine/ihre Finger zu Beginn oberhalb des Nabels in den Bauch „hinein“ und in den meisten Fällen reicht es aus, dass die PatientInnen nur den Kopf heben müssen, um als TherapeutIn etwaige Diastasen zu palpieren. (Man ertastet einen richtigen Spalt zwischen den beiden Bäuchen.) Dann variiert der/die TherapeutIn die Fingerposition (vom Sternum bis zum Schambein), um sich einen Überblick des gesamten Muskels zu verschaffen. Falls die Diastase deutlich mehr als vier Finger breit sein sollte, muss der/die PatientIn kurz versuchen, auch den Schultergürtel von der Unterlage abzuheben (in Richtung „Sit up“).
In sehr vielen Fällen kommt man leider immer wieder auf dasselbe „Ergebnis“ und palpiert eine sogenannte Rectusdiastase, die sich oft über den gesamten M. rectus zieht, wobei sich die größte Schwachstelle in erster Linie in Nabelhöhe befindet.
Eine Rectusdiastase kann sich von 1 Finger breit (einlegbar) bis kaum mehr tastbar darstellen (Muskelbäuche bei den Rippenbögen) und deutlich im Verlauf des Muskels variieren, d. h. unterhalb des Sternums z. B. zwei Finger breit sein, auf Nabelhöhe vier Finger und oberhalb des Schambeins etwa wieder nur einen Finger breit.

Eine Rectusdiastase bereitet den PatientInnen primär keine Schmerzen oder Beschwerden, sehr viele berichten aber von einer ständigen Darmträgheit bzw. fällt den PatientInnen beim Husten/Lachen/Niesen/Sit ups auf, dass sie einen richtigen „Kugelbauch“ bekommen. (Darmschlingen, die nach oben drücken). Eine unbehandelte Diastase wird aber früher oder später zu Inkontinenzproblemen, sehr oft auch zu Wirbelsäulenbeschwerden führen. Deshalb kann eine Arbeit am Beckenboden nur mit intakter Bauchmuskulatur stattfinden.

Therapie (nach Menne-Heller)

Ziel ist die rasche Schließung der Diastase mittels der schrägen Bauchmuskulatur, Vermeidung von konzentrischer Anspannung des Rectus.

Zuallererst die PatientInnen aufklären, dass sich im Schnitt die Diastase jeden Monat um 1 Finger breit wieder schließen kann (4 Finger breit = 4 Monate), wenn sie sich im Alltag an die Tipps halten und auch täglich ihre Übungen absolvieren.

Therapievorschläge:
1.)
Die PatientInnen sollen IMMER über die Seite aufstehen.

2.) Jegliche Form von SIT UPS sollen vermieden werden! (Hier ist oftmals viel Aufklärung nötig, denn die meisten Frauen wollen nach der Geburt so rasch wie möglich wieder einen „flachen“ Bauch haben.)

Zwei Übungsvorschläge:
a) Seitenlage: Bei der Einatmung den Bauch groß werden lassen, bei der forcierten Ausatmung auf „fff“ transversus aktivieren (Oberbauch schmal, Unterbauch kurz werden lassen), Beckenbodenübung „Lift fahren“ (vaginal) und zusätzlich stemmt während der Ausatmung die oben liegende Hand auf Nabelhöhe in die Unterlage (am besten in erster Linie dort einstemmen lassen, wo die meiste Öffnung des Rectus besteht). Wirbelsäule gerade halten. Pro Seite mind. 3 x 10 Wiederholungen.

b) 4-Fuß-Stand: Atmung und Transversusaktivität wie in a) und zusätzlich einerseits versuchen während der Ausatmung, dass die linke Hand zum rechten Knie stemmt (dann Seite wechseln) 3 x 10 und andererseits versuchen, dass beide Hände zu beiden Knien stemmen. (Tonisierung des Rectus) auch 3 x 10 Wiederholungen.

3.) Bücktraining, Heben/Tragen: Vorsicht – immer mit Transversusaktivität

4.) Bei sehr breiten Diastasen „Rectus­fixierung“ nach Heller und auch den PatientInnen anraten, die zwei Bäuche bei den Übungen selbst zu fixieren (zusammenhalten).

Vor allem brauchen die PatientInnen viel Geduld, Ausdauer, Motivation und Unterstützung durch die PhysiotherapeutInnen.

Dagmar Mayrhofer, PT

Dagmar Mayrhofer, PT

1999 Abschluss der Physiotherapieausbildung am KH Wels
Bis Mai 2000 im LKH Kirchdorf tätig (Schwerpunkt Orthopädie/Gynäkologie/Geburten), danach bis August 2008 im AKH Linz (Schwerpunkt Gynäkologische- und Geburtshilfliche Station inklusive Anleitung von StudentInnen)
Seit 2008 freiberufliche Physiotherapeutin (in eigener Praxis)
Absolvierte Fortbildungen: Sämtliche Menne-Heller-Fortbildungen, Palpationskurs bei Elisabeth Pulker

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